Weinregion:
La Mancha (D.O.)

(ausgesprochen: La manscha)

Land
Spanien
Gründung
1976
Info zur
Weinregion

Südlich von Madrid erstreckt sich eine weite Hochebene nach Süden hin, die mit einem Durchmesser von ca. 250 km das Zentrum Spaniens einnimmt: Castilla-La Mancha. Seit Jahrhunderten ist das Bild dieser zentralen „Meseta“ geprägt durch agrarische Strukturen. Weite Olivenhaine und gelbe Getreidefelder ziehen sich scheinbar endlos über die weite Ebene bis zum Horizont unterbrochen von zahllosen grünen Tupfen auf rotbrauner, krumiger Erde: den Weinfeldern. La Mancha ist das größte zusammenhängende Weinbaugebiet der Erde. Mit 698.008 ha Rebfläche ist fast ein Zehntel der Gesamtfläche und 16,44 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Mancha mit Weinreben bedeckt. In ertragreichen Jahren trägt die Mancha fast die Hälfte zur gesamten spanischen Weinproduktion bei. Die Region Castilla-La Mancha umfasst fünf Provinzen, auf die sich der Weinbau wie folgt verteilt: Albacete (115.791 ha/16,50 %), Ciudad Real (245.562 ha/35,18 %), Cuenca (122.123 ha/17,49 %), Toledo (201.946 ha/29,93 %) und Guadalajara (3.586 ha/0,51 %). Etwa 3/4 der Weinbergsfläche befinden sich innerhalb der fünf Denominaciones de Origen (geschützte Herkunftsbezeichnung für Qualitätsweine) im Gebiet von Castilla-La Mancha. Bei den Denominaciones de Origen handelt es sich um D.O. Jumilla, D.O. Almansa, D.O. Méntrida, D.O. Valdepeñas sowie als größtes der fünf D.O.-Gebiete, die D.O. La Mancha. Während vier der D.O.-Gebiete in jeweils einer Provinz liegen, zieht sich die D.O. La Mancha über 4 Verwaltungsbezirke: Albacete, Ciudad Real, Cuenca und Toledo. Die D.O. La Mancha als größtes und produktionsstärkstes Anbaugebiet in Castilla-La Mancha umfasst insgesamt 182 Gemeinden, 12 davon in der Provinz Albacete, 58 in der Provinz Ciudad Real, 66 in der Provinz Cuenca und 46 in Toledo.  

Wie in allen anderen Mittelmeerländern fasste auch in Spanien der Weinbau zunächst an den Küsten Fuß, um dann erst später ins Landesinnere vorzudringen. So war der Weinbau an der spanischen Mittelmeerküste bereits um die Zeitenwende Ausdruck und Symbol eines florierenden Handels und einer blühenden Wirtschaft. Später wurde der Weinbau von den Flusstälern zum Meer hin verlagert und eroberte sich auch das spanische Zentralplateau, das Gebiet der heutigen Mancha. Trotzdem scheint es schon zur Zeit der Römer in bescheidenem Umfang Weinbau im Gebiet des heutigen Castilla-La Mancha gegeben zu haben, der sich offensichtlich auf kleine Areale rund um die römischen Siedlungen der Region beschränkte. Einige Historiker machen den Ursprung des Weinbaus um die Siedlung Acinippo (acinus = Kern der Weintraube), im Gebiet des heutigen Valdepeñas gelegen, fest. Zum wirtschaftlichen Faktor in der Region wurde der Wein allerdings erst mehr als tausend Jahre später. In der Region von Valdepeñas wurde sogar während der maurischen Besetzung Spaniens Wein angebaut - eine spezielle Ausnahmegenehmigung des Kalifats machte dies möglich. Als die Kreuzritter vom Templerorden unter Alfons VII. im Jahre 1150 weite Teile der Mancha von den Mauren zurückeroberten, fanden sie zumindest in der südlichen Mancha, in der Region Valdepeñas, einen intakten Weinbau vor. Über die Entwicklung des Weinbaus in der Folgezeit wurde eine Vielzahl von Sagen überliefert: So soll der Zisterzienser-Mönch Raymond de Citeaux, später in Spanien als Raimundo de Fitero bekannt, nach einer langen Phase der Meditation im französischen Kloster Bergerac, auf seinem Pilgerweg nach Süden die Pinot Noir-Rebe mit nach Spanien gebracht haben. Demnach wäre der Pinot Noir die „Mutter“ der heutigen Tempranillo- oder auch Cencibel-Rebe, wie sie in La Mancha genannt wird. Das 15. Jahrhundert schließlich wurde zum „goldenen Zeitalter“ für die Mancha-Weine. Am Hof Philips II. erfreuten sich die Weine aus der Mancha größter Beliebtheit. Unter Karl III. hatte der Konsum der Mancha-Weine in der Hauptstadt solche Ausmaße erreicht, dass der König eine Steuer auf den Wein erhob, mit der große Bauwerke wie das Alcalá-Tor oder das Toledo-Tor in der alten Stadtmauer finanziert wurden. Aus jener Zeit sowie aus dem 16. und 17. Jh. finden sich auch viele literarische Quellen, in denen die Qualität der Mancha-Weine hervorgehoben wird. Zitiert sei hier der große Cervantes, der zum Mancha-Wein in seinem Don Quijote - nicht ohne einen Schuss Ironie - bemerkte: „Er lobte den Wein so sehr, dass er ihn fast in den Himmel hob. Er geriet jedoch keinen Moment in die Gefahr, ihn so lange dort oben zu lassen, dass er als Wasser hätte herunterregnen können.” Während des 16. und 17. Jh. wurde der Wein aufgrund der steigenden Produktion schließlich auch zum Getränk des kleinen Mannes. Im Madrid des 17. Jh. entstanden zahllose Tavernen, in denen der gute und preiswerte Wein aus der Mancha unter Bezeichnung „Vinos de Ciudad Real” (Ciudad Real ist die größte Stadt der Region im Zentrum der Mancha)in Strömen floss. Madrid mit seinen Bars, Kneipen und Tavernen blieb bis ins 20. Jh. ein wichtiger Markt für die Weine aus der Mancha, obwohl dieser Markt seit Beginn des 19. Jh. immer schwieriger wurde. Schon damals liebten die Madrileñnos die Abwechslung, und nach und nach nahmen Weine aus Rioja, Jerez und anderen spanischen Weinbaugebieten dem Mancha-Wein einiges an Marktanteilen weg. Trotzdem wuchs die wirtschaftliche Bedeutung des Weinbaus in der Mancha stetig. Im Jahr 1857 betrug die bebaute Rebfläche in der Region von Ciudad Real bereits 67.302 ha mit einem Ertrag von 11 hl/ha. Innerhalb von knapp 60 Jahren verdoppelte sich die Rebfläche bereits wieder: Im Jahre 1913 wurden im gleichen Gebiet auf 132.381 ha Wein angebaut. Auch die Reblaus, die erstmalig im Jahr 1900 in der Mancha auftrat und in folgenden Jahren den gesamten Rebbestand vernichtete, konnte die rasante Ausdehnung des Weinbaus nicht verhindern. Die befallenen Areale wurden umgehend gerodet und mit neuen, resistenten Pfropfreben auf amerikanischen Unterlagen bepflanzt. In den 1920er und 1930er Jahren erlebte der Weinbau in der Mancha eine weitere starke Expansion. Damals wurde in großem Rahmen mit dem Anbau der Weißweinrebsrote Airén begonnen, die heute noch das Bild der Weinlandschaft in der Mancha prägt. Mancha-Weine wurden in jeder Zeit - auch auf Grund ihrer Preiswürdigkeit - zu den beliebtesten Konsumweinen in ganz Spanien. Diese Entwicklung setzte sich auch nach dem spanischen Bürgerkrieg fort und führte schließlich dazu, dass die Mancha heute das größte zusammenhängende Weinbaugebiet der Welt darstellt. In den 1960er und 1970er Jahren kam es durch die Expansion jedoch zu erheblichen Problemen. Der Mancha-Wein hatte nun mit wachsenden Absatz- und Imageproblemen zu kämpfen. Die Krise blieb nicht ohne Reaktionen: In der Mancha werden heute mehr Qualitätsreben denn je angepflanzt, und der Anteil hochwertiger Rotweine aus der Cencíbel (=Tempranillo) steigt. Fast alle größeren Betriebe arbeiten mit moderner Kellertechnologie und temperaturkontrollierter Gärung, so dass sich die Weine der Mancha heute als international konkurrenzfähige Qualitätsprodukte auf hohem Niveau präsentieren können.

Boden
Castilla-La Mancha ist aus geologischer Sicht ein flaches Hochplateau, das nach Süden zur Sierra Morena hin in ein welliges Hügelland übergeht. Die rotbraunen, krumigen Böden stammen aus dem Miozän. Sie sind arm an organischer Materie und stark kalkhaltig. Ab und zu stößt man bei der Bodenbearbeitung auf regelrechte Kalkkrusten die durchbrochen werden müssen, damit die Wurzeln der Weinreben weiter in den Boden vordringen können. Das trockene, semi-aride Terrain mit seinen mageren Böden, die vielerorts mit Steinen und Kies durchsetzt sind, ist für den Weinbau geradezu ideal.
Klima
Die Mancha ist durch ein extremes Kontinentalklima mit kalten Wintern und heißen Sommern geprägt. Die früher stark bewaldete Region wurde im Laufe der Jahrhunderte fast völlig abgeholzt. Trockenheit und Waldarmut bewirken die zeitweise starke elektrische Aufladung der Atmosphäre mit teilweise extremen Gewittern, Hagel und Sturm. Bei insgesamt ca. 200 Sonnentagen erstreckt sich die aktive Vegetationsperiode in der Mancha über 230 bis 255 Tage. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 14,6° C, die niedrigste Temperatur wurde in Albacete mit -22,5° C gemessen. Pro Jahr fallen in der Mancha etwa 400 mm Niederschlag, der größte Teil davon im Winter und Frühjahr. Der Anteil der Niederschläge während der aktiven Vegetationsperiode beträgt ca. 240 mm, die durchschnittliche Sonnenscheindauer beträgt pro jahr 3.000 Stunden.
Weinerzeuger
dieser Weinregion
Weine
dieser Weinregion
Weiße Rebsorten
dieser Weinregion
Speisenempfehlungen
zu Weinen
dieser Weinregion

Druckversion